Awards in der Werbebranche – oder: Warum ich über meinen erst nicht reden wollte

Viele sagen, dass Kreativepreise nicht mehr das gleiche Prestige haben wie früher. Die Tage, in denen es als Währung für gute Kreation steht, seien vorbei. Diese Diskussion wurde schon hundertmal rauf und runter geführt und wird auch heute kein Ende finden. Wieso fange ich also jetzt wieder damit an? 

Neben den Preisen, die unter Kreativen einen hohen Stellenwert hatten und zweifelsohne immer noch ein Renommee genießen wie die Cannes Lions, Clio usw. gibt es eben diese Preise, die es - völlig ungeachtet von den aktuellen Diskussionen – nie zu großem Ansehen in der Kreativbranche gebracht haben. Der deutsche Wirtschaftsfilmpreis gehört dazu. Genau diesen habe ich letztes Jahr gemeinsam mit dem Kunden der Datev eG und der Agentur Publicis in der Kategorie „Wirtschaft gut präsentiert“ gewonnen. Es stellte sich bei mir erst spät eine abgespeckte Form vom Stolz ein. Ich wollte immer kreativ arbeiten, habe nicht mein Studium an der Filmakademie begonnen, um einen Wirtschaftsfilmpreis zu bekommen. Zu trocken und verstaubt wirkt er doch. Nie habe ich angestrebt hier überhaupt nominiert zu werden. Fast unangenehm war mir diese kleine Trophäe – auch wenn er in den Augen meiner Freundin einen guten Türstopper abgibt. 

Beim Kunden war das Gefühl ein ganz anderes: Schon während der Verleihung traten die Beteiligten mit vor Stolz geschwellter Brust auf die Bühne, haben sie sich doch gegen namhafte Mitnomminierte durchgesetzt. Die Freude war groß, sich gegen namhafte und renommierte deutsche Großkonzerne behauptet zu haben. Diesen Stolz bei unseren Kunden zu spüren, lies mich denken: Ist es nicht genau unser Job als Werberegisseur dieses Gefühl beim Gegenüber auszulösen? Ist ein solcher Preis für ein Wirtschaftsunternehmen nicht im Zweifel sogar viel wichtiger, als einer, bei dem es um besonders originelle Ideen geht?  

Mancher mag nun sagen, dass man nur darauf Stolz sein kann, wenn man die Kreativpreise so oder so nicht in Reichweite hat. Möglich; ein entscheidendes, wenn nicht das entscheidende Ziel  meiner Arbeit war es allerdings immer, die Marke oder die Produkte, die ich in meinen Filmen präsentiere, voran zu bringen. Auch auf diese Art von Anerkennung kann und muss man sogar stolz sein, gerade im aktuellen Zeitgeist, in dem doch Effizienzdenken immer wichtiger wird. Jegliche Art von Werken, mittlerweile ja auch immer lieber Content genannt, wird schnelllebiger und so auch vergänglicher. Das mag auch mit sich bringen, dass es immer schwieriger werden wird, die wirklich großen Ideen zu verwirklichen.  So oder so – jegliche Art unserer Arbeit wird so immer diverser. Die neuen Möglichkeiten, Zielgruppen spezifischer als je zuvor zu erreichen, werden es immer notwendiger machen, sich auf unterschiedlichste Bedürfnisse einzustellen und das eben besonders effizient. Somit werden eben auch die Ziele diverser. Auch wenn es nie ein Ziel von mir war, einen Wirtschaftsfilmpreis zu gewinnen, so ist es doch ein schön, es erreicht zu haben.